Stress bewältigen? Lerne, dein Nervensystem selbst zu regulieren.

Als hochsensibler Mensch bin ich es gewohnt, ziemlich schnell überstimuliert zu sein. Mein Nervensystem verarbeitet Dinge tiefer als bei den meisten Menschen. Das bringt echte Stärken mit sich, und echte Herausforderungen. Seit Jahren erforsche und übe ich, wie ich der typischen HSP-Falle entkomme: von einer überreizten Phase direkt in die nächste zu rutschen, einfach weil man sein Nervensystem unterwegs nicht gut genug pflegt.

Das betrifft aber längst nicht nur hochsensible Menschen. Über den Tag verteilt bewegen wir uns alle zwischen unterschiedlichen Stimulationslevels, ob wir es merken oder nicht. Dein Stresspegel spiegelt sich in deinem Nervensystem, oder einfacher gesagt: in deinem Körper. Starker Stress zeigt sich als flacher Atem, überwältigende Gedanken oder Gefühle, Tunnelblick, erhöhter Herzschlag, angespannte Muskeln und oft impulsives oder reaktives Verhalten.

Was chronischer Stress wirklich anrichtet

Stress heißt, dass dein Körper mit Cortisol und Adrenalin geflutet wird. Das Adrenalin baut sich ab, aber Cortisol bleibt und richtet Schaden an. Unkontrolliert hat chronischer Stress echte Folgen für deine Gesundheit: von dauerhaft angespannten Muskeln über Entzündungen im Körper bis zu messbarem Schwund im präfrontalen Cortex, dem Teil deines Gehirns, der für Entscheidungen zuständig ist.

Der Grund: chronischer Stress bedeutet, dass dein Kampf-oder-Flucht-Modus, der sympathische Teil deines Nervensystems, dauerhaft dominiert. Du verbringst zu wenig Zeit im Ruhe-und-Verdauungs-Modus, dem Gegenstück, dem parasympathischen Nervensystem. Unser Körper sucht immer Balance. Aber die schiere Menge an täglicher Reizüberflutung und Information hält die meisten von uns in einer Art Dauererregung gefangen, also zu viel Stress und zu wenig Entspannung.

Stress bewältigen heißt Nervensystem regulieren

Hast du dich schon mal versucht zu beruhigen, indem du dir selbst gesagt hast, du sollst dich entspannen? Genau wie bei jemand anderem mitten im Streit funktioniert das meistens nicht. Stress lässt sich nicht auf der Kopfebene lösen. Er muss über den Körper bearbeitet werden.

Hier sind drei Wege, dein Nervensystem zu beruhigen und deine Stressreaktion zu senken.

Eins: mit dem Atem arbeiten. Der Atem wird von demselben Teil des Nervensystems gesteuert, der deine Stressreaktion hebt oder senkt. Er spiegelt immer deinen mentalen Zustand. Im Schlaf ist der Atem langsam und tief, bei Angst wird er flach. Wenn du dich entspannen willst, musst du atmen, als wärst du es schon. Eine gut erforschte Technik ist der physiologische Seufzer: doppelt durch die Nase einatmen, dann lang ausatmen. Schon ein paar bewusste, tiefe Atemzüge können deinen Körper Richtung Ruhe-und-Verdauung schieben.

Zwei: echte Pausen machen. Eine Studie aus Microsofts Human Factors Lab hat gezeigt, dass wir über den Tag, je nach Stimulationslevel, durch verschiedene Gehirnwellen-Zustände wandern. Vereinfacht: Beta-Wellen stehen für Stress, Alpha-Wellen für Entspannung. Die meisten von uns stecken tagsüber meist in Beta, brauchen aber Alpha, um nicht auszubrennen. Scrollst du in der Pause durchs Handy oder checkst E-Mails, bleibst du in Beta. Dein Gehirn setzt sich nie wirklich zurück. Eine echte Pause beruhigt tatsächlich: Augen zu, kurze Meditation, dehnen oder ein fünf- bis zehnminütiger Spaziergang.

Drei: das sympathische Nervensystem gezielt, in kleiner Dosis, aktivieren. Auch wenn wir Kampf-oder-Flucht-Aktivierung grundsätzlich reduzieren wollen, gibt es Techniken, die den Körper absichtlich kurzzeitig unter Stress setzen, um langfristig Resilienz aufzubauen. Man nennt das manchmal hormetisches Training: Dinge, die dir in hoher Dosis schaden würden, wie Atem anhalten, kaltes Wasser oder Fasten, stärken in kleiner Dosis das Immunsystem. Intensive Workouts und Saunagänge fallen in eine ähnliche Kategorie. Meditation, obwohl sie nicht im Entferntesten lebensbedrohlich ist, scheint einen vergleichbaren Effekt zu haben: Sie baut ebenfalls über die Zeit Resilienz auf.

Zusammengefasst, um dein Nervensystem selbst zu regulieren:

  • bewusste, tiefe Atemzüge oder den physiologischen Seufzer, sobald du Anspannung spürst
  • fünf bis zehn Minuten echte Pausen zwischen Meetings am Tag
  • eine wöchentliche hormetische Routine: kalt duschen, länger meditieren oder in die Sauna

Was davon nutzt du schon? Und was würdest du gern in deine Woche einbauen? Ich bin gespannt.

Hab einen schönen Tag,

Sophie Sophie Bachmann

P.S. Modul 6 meines 8-wöchigen Emotional Intelligence in Action Programms behandelt Nervensystem-Regulation als eines der zentralen praktischen Werkzeuge. Buch einen Discovery Call, dann zeige ich dir das ganze Programm: cal.com/sophie-bachmann/discovery-call.

Fragen, die dazu oft gestellt werden

Wo fange ich an, wenn ich das mit meinem Team ausprobieren will?
Fang mit dem physiologischen Seufzer an: doppelt durch die Nase einatmen, lang ausatmen. Zehn Sekunden, funktioniert auch mitten im Meeting. Probier es erst eine Woche selbst aus, bevor du es jemand anderem zeigst. Eine Regulationsübung, die du selbst nicht gespürt hast, kannst du niemandem beibringen.
Wie kann ich mit Sophie zusammenarbeiten?
Nervensystem-Regulation ist eines der zentralen Werkzeuge in Modul 6 meines 8-wöchigen Emotional Intelligence in Action Programms, neben echten Wegen, mit Emotionen zu arbeiten statt sie nur zu verwalten. Buch einen Discovery Call, dann zeige ich dir das ganze Programm.
Muss ich mich durch Stress nicht einfach durchbeißen?
Nein. Chronischer Stress bedeutet, dass dein Körper dauerhaft mit Cortisol geflutet ist, und das zeigt sich mit der Zeit in verspannten Muskeln, Entzündungen und messbarem Schwund in dem Hirnbereich, der für Entscheidungen zuständig ist. Durchbeißen senkt den Stresspegel nicht, es verschiebt nur die Grundlinie. Das Nervensystem braucht echte Pausen zum Zurücksetzen, keine Willenskraft.

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